Hatte angekündigt, den Bericht meiner Freundin J. über die das Fastenbrechen online zu stellen.
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Erlebnisbericht: Fastenbrechen

Während des Ramadan fragte ich Tugba, wie sie das Fasten vertrage. Da ich mich mit der muslimischen Tradition gar nicht auskannte, wusste ich nicht, dass tatsächlich nur zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang gefastet und nach 20 Uhr in den Moscheen zum gemeinschaftlichen Fastenbrechen eingeladen wird.
Tugba erzählte von den Köstlichkeiten, die dort aufgetragen werden und lud mich ein, sie am Abend als Gast zu begleiten.
Ich war etwas nervös, weil ich so gar nicht wusste, was mich erwartet zumal es mein aller erster Besuch einer Moschee werden sollte.
Am Eingang zogen wir erst mal die Schuhe aus. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich mich für andere Socken – vorwiegend wärmere! – entschieden, aber die weichen Teppiche, die in der ganzen Moschee liegen, machten es möglich auch mit dünnen Socken den Abend ohne kalte Füße zu überstehen. Dann gingen wir in die erste Etage. Dort waren nur Frauen, was ich als sehr angenehm empfand. Tugba begrüßte alle innig, sodass ich den Eindruck bekam, die Damen wären alte Bekannte von ihr. Auch ich wurde herzlich aufgenommen.
Wir setzten uns in einen großen Gebetsraum wiederum auf einen flauschigen Teppich. Irgendwann erschrak ich, weil die Stereoanlage über die der Imam zum Gebet rief, leicht übersteuert und viel zu laut eingestellt war. Tugba band sich ein Kopftuch um und stellte sich mit den anderen Frauen in eine Reihe. Dann begannen sie zu beten und dabei fast schon sportlich anmutende Bewegungen zu machen. Es wurde unzählige Male aufgestanden und niedergekniet – und das noch immer ohne Essen und Trinken im Bauch. Ich wäre vermutlich an Unterzuckerung irgendwann umgekippt, aber für alle anderen schien das kein Problem.
Nach dem Gebet gingen wir nach nebenan in einen Gesellschaftsraum, in dem das Essen serviert wurde. Das gemeinsame Essen an der langen Tafel mutete familiär an und war richtig nett. Die Frauen waren so herzlich und lachten während der Gespräche. Dabei sprachen sie teilweise nicht die gleiche Sprache, sodass einzelne übersetzten. Tugba kam gleich munter ins Gespräch und übersetzte für mich. Eine Frau fragte, aus welcher Region ich käme und meinte, ich sähe nicht deutsch aus. Dazu muss ich sagen, dass ich braune Augen und mittelbraune Haare habe. Dann erklärte eine nette junge Frau, dass ich halt ein „Schwarzkopf“ sei und darum die andere Frau wohl gedacht habe, ich käme aus der Türkei o.ä. Diese Einschätzung fand Tugba ganz befremdlich, mich amüsierte sie. Irgendwie fand ich den Gedanken ja auch etwas naheliegend. Schließlich habe ich keinen anderen deutschen Gast dort gesehen. Nach dem Essen wurde der Tisch flux abgeräumt. Ich wollte alles auf mich wirken lassen und dachte, ich mache hier alles mit, was auf mich zukommt. So rebellierte ich auch nicht, als mir Teller und Wasser vor der Nase weggeräumt wurden, obwohl ich weder aufgegessen noch ausgetrunken hatte. Ich dachte, das sei so Tradition und wolle dieser nicht widersprechen. Als ich das Tugba erzählte lachte sie, denn das verfrühte Abräumen war weder kulturell noch religiös motiviert, sodass ich mir noch etwas Wasser nehmen durfte. Das war übrigens auch nötig, weil das Essen zwar super lecker, aber auch sehr würzig war. Und natürlich war es sehr gehaltvoll, was für die Fastenden ja wichtig ist. Mir lag das gute Essen jedoch nachts, wie ein Stein im Magen. Anschließend gingen wir und verabredeten ein paar Tage später eine weitere Moschee zum Fastenbrechen zu besuchen. Anschließend gingen wir und verabredeten ein paar Tage später eine weitere Moschee zum Fastenbrechen zu besuchen. Diesmal war ich vorbereitet und hatte dicke Socken an.
Auch hier begrüßte Tugba alle Frauen, wie gute Bekannte, obwohl sich später herausstellte, dass sie auch hier fast niemanden kannte und auch sie das erste Mal dort sei. Der Ablauf war der gleiche, nur das Essen war ein anderes – ebenfalls richtig lecker! […] Generell war aber auch dieser Abend Fastenbrechen eine tolle Erfahrung. Vorallem die Wärme, die unter den Frauen besteht hat mich enorm beeindruckt. Wenn ich mir vorstelle, wie fremd sich die Menschen meiner Religion an Weihnachten in der Kirche begegnen, ist das schon ein enormer Unterschied. Und auch, wenn ich mich nicht überwinden könnte wochenlang mit zu Fasten, werde ich am Fastenbrechen gerne wieder einmal teilnehmen.

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